Buchläden geschlossen

Ja, das ist echt blöd. Aber vor allem für die Inhaber und das Personal. 

Für mich irgendwie auch, allerdings muss ich zugeben, dass ich sowieso nicht so oft in Buchläden gehe. Die größte Mainzer Buchhandlung hat vor Jahren schon dicht gemacht, was ich damals sehr, sehr schade fand. Dass ich in einem Antiquariat war, ist bestimmt auch schon drei Jahre her. Vor dieser blöden Pandemie hab ich gern auf Flohmärkten in Bücherkisten gestöbert. Man sieht ja manchmal  auf den ersten Blick,, ob ein Verkäufer die gleichen Themen hat (bzw. gehabt hat) wie man sie selbst zu dem Zeitpunkt des Flohmarktbesuches hat. Als es die Flohmärkte noch gab, habe ich oft gezielt nach bestimmter Literatur gesucht, manchmal aber auch Bücher entdeckt, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Einmal fand ich in einer 1-Euro-Kiste ein Buch, das "Intelligent werden in acht Tagen" oder so ähnlich hieß. Der Verkäufer muss gesehen haben, wie ich in mich hineinlachte. Er grinste breit und schenkte mir das Buch. Wer weiß, in wessen Besitz dieser Band jetzt ist und ob jemand dadurch intelligent geworden ist?

Bücher, die ich gelesen habe, landen erst mal im Regal, doch ich habe mir angewöhnt, nur solche zu behalten, die ich nochmal und nochmal und nochmal lesen will. Die anderen landen auf dem Flohmarkt oder in einem Bücherschrank. 

Seitdem es keine Flohmärkte gibt und ich auch keine Lust habe, maskiert einen Buchladen zu betreten und auch kein bestimmtes Thema habe (das Geld sowieso nicht), das mich online zu einer Bestellung veranlassen würde , habe ich Dutzende von Büchern gelesen. In meinem Viertel gedeien  die "zu verschenken" - Kisten besser als jeder Viren-Mutant. Inzwischen weiß ich, vor welchem Haus es Thriller gibt, wer reglmäßig Kochbücher ausmustert oder wer Jurist ist. Der Weg zum Lebensmittelladen oder zum Zigaretten-Automaten wird dadurch zu einem Buchhandlungs-Bummel der besonderen Art. 

Besonders ist so ein Bummel dadurch, dass man sich einfach mal ne Zeitlang wo hinsetzen oder hinstellen und die Klappentexte lesen kann, ohne von einem profitorientierten Buchhändler beäugt zu werden. Beobachtet wird man vielleicht trotzdem. Wenn ich ein ausgelesehenes Buch in einen Karton packe und vor die Tür stelle, freue ich mich jedes mal, wenn ich potentielle Zu-Verschenken-Empfänger sehe, die den Rückentext lesen und ein Buch mitnehmen, das dann vielleicht Wochen später eine Straße weiter von einem ganz anderen Menschen gemustert und eingepackt wird.

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