Posts

Es werden Posts vom April, 2021 angezeigt.

Lütte

 (Da ich das Katzische nicht beherrsche, konnte ich Lütte nicht um Erlaubnis fragen, ob sie mit der Herausgabe dieses Textes einverstanden ist. Ich kenne sie ja auch gar nicht. Schrotzrelie hat es mir dann erlaubt. Also, Lütte melde dich einfach bei mir, wenn ich was falsch beschreibe. Und nicht frustriert rumbeißen, so wie du es bei D. machst. Ich bin Pazifistin, verstanden? Wenn du dann auf die Idee kommen solltest, dich selbst zu beißen: vergiss es! Das zieht bei mir nicht.)   Die Lütte ist weg und meine Schwester in Verzweiflung. Ich auch, obwohl ich sie noch gar nicht kenne. Bei Lütte weiß man nie. Sie weiß es auch nicht. Ob sie vielleicht Borderline hat? Lütte schweigt sich darüber aus, ob sie jemals eine Diagnose erhalten hat. Und die Katzentherapeutin verweist zu Recht auf ihre Schweigepflicht, wenn meine Schwester nachfragt. Bei der Therapeutin redet Lütte mehr als zu Hause. Gelegentlich verstummt sie aber auch dort. Die Therapeutin muss ihr dann regelrecht "all...

Lavendel-Sommer

   Wie findet man einen Regenwurm unter Corona-Bedingungen?   Einkaufen geht ja. Maske auf und durch.   Es soll Leute geben, für die der tägliche Einkauf beim Discounter ein Highlight ist. Ja, auf jeden Fall! Es gibt sogar so was wie ein Gespräch an der Kasse. "Payback -Kärtsche?" "Nee, aber ich zahl mit Karte."   Wenn ich Glück habe, muss ich meine PIN eingeben und hab zwei Sekunden mehr. "Zeddelsche mitnehme?" Wie liebe ich diese Gespräche! Die Themen sind absolut vorhersehbar.   Neulich gab es Lavendel im Angebot, ein Grund mehr, den Laden an der Ecke zu besuchen. Ich betrat das Geschäft sogar drei mal und bin dadurch stolze Besitzerin dreier Lavendelpflanzen. Wie üblich, sahen diese prächtig aus. Doch aus irgendeinem Grund, verlieren solche Discounter-Pflanzen bei mir nach ein paar Tagen immer ihre Schönheit und sterben. So verwunderlich ist es dann aber doch nicht, da die Gewächse in ihren Plastiktöpfen sehr beengt sind. Diesmal wollte ich e...

Jimmy und die Klopapier-Mafia

  (Wie kommt ein verstorbener mürrischer und verliebter Kater im Himmel zu einem Oktoberfest-Outfit? Er hat ganz einfach die richtigen Kontakte. Geschrieben für Jimmy im August 2020.) "Huch!", rief Brigitte, als sie sich am nächsten Tag trafen. "Wie siehst du denn aus? Ein Kater mit Lederhose und Weste?" "Schick, was?", fragte Jimmy stolz. "Glaubst du jetzt immer noch, dass Kater keine Westen tragen? Jonie hat sogar ein Dirndl. Wir wollen heute Abend aufs Oktoberfest." "Jetzt versteh ich gar nichts mehr", gab Brigitte zu. "Woher hast du diese Klamotten? Und wer ist Jonie? Und warum sollte es im August ein Oktoberfest geben?" "Nun, Jonie ist meine Freundin. Doro hat sie angeschafft, als ich mir mal ne mehrmonatige Auszeit gegönnt habe. Als ich zurück war, habe mich auf den ersten Blick in sie verknallt, aber sie war da schon schwanger von irgendeinem hergelaufenen Kater. Ich war so eifersüchtig und sauer, dass ich ...

Jimmy sinniert über Twitter

  (Meine Jimmy-Geschichten entstanden nach dessen Tod im August 2020. Kater Jimmy ist immer etwas grummelig gewesen, doch insgeheim freut er sich tierisch, im Himmel Brigitte, die Mutter seines Frauchens, zu treffen. Diese ist Schriftstellerin gewesen, aber eine vom alten Schlag. Jimmy gibt ihr etwas Nachhilfe. Wohlgemerkt,   es ist ein historisches Gespräch aus dem Frühherbst 2020.) "Hiermit beginnt der zweite Teil [über den legendären Pharao von Wiehl, B.T.]", sagte Jimmy feierlich, rollte aber unübersehbar mit den Augen. "Aber lass mich mit dem Historikzeug in Ruhe, Alda. Historisch schreiben ist total out und beweist nur, dass Schriftsteller*innen wie du der Vergangenheit nachhängen. Kannst ja mal zur Volkshochschule gehen und einen Kurs in Kreativem Schreiben belegen. Was übrigens auch out ist." "Gibt es denn überhaupt was, das deiner Meinung nach zeitgemäß ist?" "Klar! Wer glaubt, etwas zu sagen zu haben, twittert es. Es gibt da regelrecht...

Annika

(Dieser Text stammt aus dem Sommer 2018. Als ich ihn gerade nochmal las, erschrak ich über seine Länge. Doch war es auch Realität, dass Annika und ich oft stundenlang telefonierten und ich danach nicht mehr wusste: worüber eigentlich? Manchmal habe ich versucht, Struktur in solch ein Gespräch zu bringen. Gleichzeitig war ich fasziniert davon, wie eine Assoziation die nächste ablöste. Was ich ihr besonders verdanke: man kann nicht nur in Zentimetern messen, sondern man kann auch sagen, dass etwas ungefähr so hoch sei wie der obere Aufkleber auf einer Sprite-Flasche. Da ich sie seit Jahren nicht erreiche, spreche ich in der Vergangenheitsform. Sie wird bei ihren verstorbenen Eltern sein.  Übrigens heißt sie nicht Annika. Aus welchem Grund auch immer fand sie Pipilottas Freudin toll, und ich habe ihr versprochen, dass sie Annika heißt, sollte ich mal über sie schreiben.) Autsch. Annika war gegen die Kante ihres Küchenschrankes gestoßen. Autsch, dachte sie noch mal. Dann dachte sie a...

Lieblings-Wörter

blümerant Labsal  Hans-Guck-In-Die-Luft strullern hm fuck

Lieblingsliteratur

Hand aufs Herz. Alle über 40-jährigen hier hatten mal ein Poesie-Album. Schade, dass ich meins nicht mehr habe, doch man kann schließlich nicht alles behalten.  Zu meiner Zeit gabs eine Poesie-Album-Form, in der man keine komischen Sprüche schreiben  und auch keine komischen Bilder einkleben musste. Viel rationaler ging es darum, wie alt man ist, was man werden will, welche Band man mag - und was man am liebsten liest.  Mich würde ja mal interessieren, was ich damals zu diesem Punkt gesagt habe, also so mit acht oder 10 Jahren. Ich war damals eine Leseratte, das weiß ich noch. Viel mehr weiß ich aber nicht mehr. Umso intensiver erinnere ich mich an die Zeit, in der ich begann, die Klassiker regelrecht zu verschlingen. Thomas Mann, Heinrich Mann, Steven King und immer wieder Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz. Kafka, Rilke, Nietzsche. Goethes "Wahlverwandschaften", Poe. Mein Bücherregal sollte ziemlich voll sein. Das ist es aber nicht, weil ich viele meiner Liebl...

Buchläden geschlossen

Ja, das ist echt blöd. Aber vor allem für die Inhaber und das Personal.  Für mich irgendwie auch, allerdings muss ich zugeben, dass ich sowieso nicht so oft in Buchläden gehe. Die größte Mainzer Buchhandlung hat vor Jahren schon dicht gemacht, was ich damals sehr, sehr schade fand. Dass ich in einem Antiquariat war, ist bestimmt auch schon drei Jahre her. Vor dieser blöden Pandemie hab ich gern auf Flohmärkten in Bücherkisten gestöbert. Man sieht ja manchmal  auf den ersten Blick,, ob ein Verkäufer die gleichen Themen hat (bzw. gehabt hat) wie man sie selbst zu dem Zeitpunkt des Flohmarktbesuches hat. Als es die Flohmärkte noch gab, habe ich oft gezielt nach bestimmter Literatur gesucht, manchmal aber auch Bücher entdeckt, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Einmal fand ich in einer 1-Euro-Kiste ein Buch, das "Intelligent werden in acht Tagen" oder so ähnlich hieß. Der Verkäufer muss gesehen haben, wie ich in mich hineinlachte. Er grinste breit und schenkte mir das Buc...