Sturmtiefs und fliegende Menschen
(Sturmtief "Eugen" hatte es vorhin ganz schön in
sich. Beinahe wäre ich weggeflogen und fragte mich, wie die älteren Menschen
auf der Straße den Böen standhalten. Ok, ich werde zunehmen, versprochen. Doch
statt mir meine Nudeln zu kochen, kramte ich erst mal ein Notizbuch raus, in
das ich im Oktober 1994 eine lateinische Version des "Fliegenden
Robert" schrieb. Dem Stil und Textmaß nach dürfte ich damals die
"Carmina Burana" gelesen haben.)
Original von Heinrich Hoffmann (1844)
Der fliegende Robert
Wenn der Regen niederbraust,
Wenn der Sturm das Feld durchsaust,
Bleiben Mädchen oder Buben
Hübsch daheim in ihren Stuben.
Robert aber dachte: Nein!
Das muß draußen herrlich sein!
Und im Felde patschet er
Mit dem Regenschirm umher.
Hui, wie pfeift der Sturm und keucht,
Daß der Baum sich niederbeugt!
Seht! Den Schirm erfaßt der Wind,
Und der Robert fliegt geschwind
Durch die Luft so hoch, so weit.
Niemand hört ihn, wenn er schreit.
An die Wolken stößt er schon,
Und der Hut fliegt auch davon.
Schirm und Robert fliegen dort
Durch die Wolken immerfort.
Und der Hut fliegt weit voran,
Stößt zuletzt am Himmel an.
Wo der Wind sie hingetragen,
Ja, das weiß kein Mensch zu sagen.
Beates Version von 1994
De Roberto volitante
Nimbi graves tumultantur.
Domi parvuli versantur.
Omnis campus est desertus.
Unus autem vult Robertus
cum ambrella spatiari
et in campis pervagari.
Herbas sternit, heu!, procella,
forte rapitur ambrella.
Nemo volitantem spectat
quem umbrella secum vectat.
Iam infelix tanget nubes
pilleumque perdit pubes.
Nimbi velant desperantem
sine pilleo volantem.
Eum vides ferri sursum
nec volare potest rursum.
Ecce puer pervagatur
nec umbrella non iactatur
aethere a perventoso
in meatu luctuoso.
Caelum miserandum vorat
veniam qui frustra orat.
Ubi caudex nunc versetur
tibi non a me prodetur.
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