Hampel und Strampel
"Hast du gehört, was die Beate vorhin gesagt hat?" Flegula klang emport.
"No, was denn?", erkundigte sich Legula.
"Dass, wenn wir Künstlernamen hätten, Hampel und Strampel heißen müssten".
"Das ist doch total witzig", freute sich Legula. "Und wer von uns hat welchen Namen? Darf ich Hampel sein?"
"Sowas findest du lustig? Du vergisst, dass ich ein furchtbares Trauma habe wegen der Turnlehrerin, die sagte, wir laufen wie ein Elefant. Und diese blöden Tussen, die sich über uns kaputt gelacht haben."
"Jetzt vergiss dein Trauma doch mal. Take it easy! Das ist unsere Identität. So sind wir auf die Welt gekommen, und jetzt haben wir noch ein bisschen mehr Identität. Schau mal, der Blinddarm hat noch nicht mal einen eigenen Namen. Wir schon."
"Wurmfortsatz", korrigierte Legula ihre ältere Schwester. Und wahrscheinlich hat er keinen Namen, weil er so langweilig ist und keine Probleme macht."
"Siehste! Der hat ein einziges mal wehgetan, das wars. Der musste nicht mal rausgeschnibblet werden. Aber du hattest ne richtige Operation mit Narkose und Gips und Schrauben im Fluß. Und noch ein Stück Schienbein mitten im Fuß. Du bist eigentlich voll der Star!"
"Findest du?" So hatte Legula das noch nie gesehen. "Aber ich will trotzdem nicht Strampel heißen. Das klingt so nach Strampelkind."
"Na und? Hampel klingt wie Hampelmann. Aber wenn du willst, können wir auch tauschen. Oder wir wechseln uns einfach ab."
"Meinst du?" So toll fand Flegula die Idee mit den Künstlernamen immer noch nicht. "Das ist doch abwertend."
"Ach was", konterte Legula. Ich glaube, das war eher liebevoll gemeint. Ok, vielleicht auch böse, weil wir ihr so auf die Nerven gehen. Aber die ist ja auch nicht gerade perfekt. Komm, wir denken uns mal nen Künstlernamen für sie aus. Zum Beispiel Hempel und Krempel. Weil es bei ihr immer aussieht wie bei Hempels unterm Sofa und wegen dem ganzen Krempel."
"Wegen des ganzen Krempels", korrigierte Flegula. "Außerdem ist sie doch nur eine, also braucht sie nur einen Künstlernamen."
"Ach was. Die hat zwei Seelen, ach, in ihrer Brust. Mindestens. Mal macht se hü, mal macht se hott. Mal macht se wisch, mal macht se wusch. Und bei jedem Leckerli gibts ganz viele Kleckerli."
Flegula überlegte immer noch, ob man sowas als korrekte Umgangsart bezeichnen konnte. Aber Legulas gute Laune hatte sie bereits angesteckt: "Wir könnten sie natürlich auch Husch und Pfusch nennen. Also, wenn sie auch einen Künstlernamen hätte. Oder Schwuppdiwupp."
"Oder Hans und Franz," schlug Legula vor.
"Nee, das sind doch die Brüste von der Heidi Klum. Vielleicht lieber Hinz und Kunz?"
"Nee, das reimt sich doch gar nicht." Ungereimtheiten möchte Flegula nicht.
"Ich habs!", rief Legula aufgeregt. "Wie wärs mit Tohuwabohu? Das reimt sich und klingt so geheimnisvoll."
"Du bist ausnahmsweise mal richtig genial, du Hampel! Am Anfang war alles wüst und leer, und dann kamen die ganzen Tiere und Pflanzen und Sonne, Mond und Sterne und die Koninente und der Rhein und die Fidschi-Inseln und die Menschen. und die Roboter und so weiter."
"Haha, du Strampel, die Reihenfolge, war glaub ich, anders, aber so ähnlich. Aber nicht so wichtig." Legula gähnte: "Ich geh mal ins Bett, kommst du mit?"
"Na klar, Humpel-Kumpel. Schlaf gut!"
Beide hampelten und strampelten noch eine Weile, bis Tohuwabohu genervt sagte: "Jetzt ist aber mal gut, ihr beiden! Morgen ist auch noch ein Tag!"
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